Vom Alter lernen – pädagogische Potentiale der Geragogik

Seit der UN Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (2006) hat sich der pädagogische Diskurs zunehmend von Konzepten der Integrationspädagogik zur Inklusiven Pädagogik verschoben.

Der Vortrag untersucht, inwiefern diese Diskursverschiebung sich in den pädagogischen Debatten jenseits des klassischen Fokus auf Behinderung widerspiegelt. Dabei beziehe ich mich exemplarisch auf die Geragogik.

Gegenwärtig tendieren sog. alternde Gesellschaften weltweit dazu, ihre Bildungs-Angebote auszubauen und ältere Menschen in ihre bildungspolitischen Strategien ausdrücklich einzubeziehen – dies nicht nur aus ökonomischen sondern auch aus sozialen Gründen: Zunehmend offene und deregulierte soziale Räume erfordern mehr und mehr individuelle Aktivitäten, um teilhaben zu können. In der erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Forschung und Praxis sind Alter/Altern zu wesentlichen Kategorien geworden, bspw. in Konzepten des lebenslangen/lebensbegleitenden Lernens, bezüglich intergenerationellen Zugängen, aber auch hinsichtlich der Ausdehnung der Angebots-Infrastruktur auf die nachberufliche/nachfamiliäre Lebensphase. Obwohl die Gruppe ‚älterer Menschen‘ höchst heterogen ist, ist sie zu einer speziellen Zielgruppe der Forschung und Praxis geworden.

In diesem Vortrag gehe ich der Frage nach, wie die pädagogische Auseinandersetzung insgesamt (über den gesamten Lebenslauf) davon profitieren kann, dass das Alter in den Fokus pädagogischer Überlegungen rückt: Was lernen wir über ‚menschliches Lernen‘, wenn wir das Lernen älterer Erwachsener in unsere Vorstellungen von Lernen integrieren? Wie lassen sich Lernumgebungen verbessern auf der Grundlage der Lern- und Bildungsbedürfnisse von älteren Menschen? Wie zeigen sich Wege mit Blick auf Ältere Menschen mögliche Wege hin zu einer inklusiven Gesellschaft und inklusiven Bildungsangeboten?

 

Dieser Vortrag ist auch in Englisch verfügbar:

Since the United Nations’ Convention on the Rights of Persons with Disabilities was adopted in 2006, the educational discourse is determined by a gradual shift from special education to inclusive education paradigm.

The proposed paper studies whether this notion applies to educational reflection beyond the traditional focus on disabilities and thereto picks up the branch of educational gerontology (geragogy).

Currently, aging societies worldwide tend to broaden their educational activities and include elderly people into their educational strategies – not only for economic reasons, but also for social reasons which more and more require individual activities in increasingly open and deregulated social spaces. For the part of education research and practice, age/aging has become a relevant category, e.g. in concepts of life-long-learning, concerning intergenerational education approaches, with regard to the expansion of educational infrastructure to post professional/post familial life. Though the group of ‘the aged’ is characterized by utmost heterogeneity, it has become a group of special interest in education (in science as well as practice).

The proposed paper researches into potentials and limits of an inclusive approach to geragogy and points out consequences for the theoretical foundation of education and educational professions.